T wie Target

Es ist immer eine Frage der Tagesform, wie leicht man durch afghanische Sicherheitschecks schlüpft. Derzeit sind wegen der Konsultationen und Verhandlungen zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung in afghanischen Hände viele hochrangige Delegationen in der Stadt. Ausgerechnet jetzt sind aber schon seit mindestens einer Woche die Sicherheitskontrollen im Serena, einem der beiden Fünf-Sterne-Hotels, lax. Der Apparat, mit dem normalerweise die Taschen durchleuchtet werden, ist kaputt, und da der Metalldetektor ohnehin bei jedem anschlägt, wird man in diesem Hotel auch sonst nur dürftig durchsucht.

Der Zugang zum Militärflughafen, der sonst mit meiner ISAF-Karte kein Problem war, ist hingegen nun schwierig geworden. Normalerweise bin ich immer zu Fuß in dieses Camp gelaufen und habe mich in das dort wartende Bus-Ungetüm aus den 50er Jahren geschwungen. Gemeinsam mit mir saßen oft afghanische Bauarbeiter darin, die sich gerade ein Mittagessen von außen geholt hatten. Insofern roch ich immer wie eine afghanische Imbissbude, wenn ich an meinem eigentlichen Ziel, dem französischen Militärkrankenhaus ankam. Jetzt starrt mich der wachhabende Soldat ungläubig an. „Wollen sie damit sagen,“ fragt er, „dass sie, also eine Zivilistin und Patientin, sich stets unter die Soldaten gemischt haben, denen dieser Bus vorbehalten ist?“ Auch wenn ich mir absolut sicher bin, dass mein  Zustand nicht ansteckend ist, fühle ich mich bei dieser Frage wie ein Risikofaktor. Der Soldat behält mich im Auge, bis ich ordnungsgemäß in den Krankenwagen gestiegen bin, der jetzt die Patienten von der Pforte abholt. Da der einzig freie Platz eine Ablage in etwa 1,20m Höhe ist, freue ich mich über die anderen 13 Passagiere, weil ich in dieser Enge auch bei ruppigem Anfahren nicht runterfallen kann.

Abends sind wir auf dem Weg zu einer Botschaft, die hinter insgesamt drei Sicherheitsschranken und einer Schleuse liegt. Schon an der ersten will uns der Polizist nicht durchlassen. „Habt ihr ein Treffen in der Botschaft? Und wenn ja, mit wem?“ Da wir nicht in offizieller Mission sondern nur zum Tanzen unterwegs sind, sehe ich unsere Chancen schwinden. Humboldt beugt sich vor: „Ja. Wir haben unser Tango-Treffen,“ sagt er ernst. Der Polizist winkt uns durch. C räuspert sich: „Tango steht im Militärjargon für T – wie ‚Target‘.“

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