Suppenkasperei

Das Stellenprofil für Kellner in Afghanistan scheint eine Kernqualifikation zu enthalten: Halsstarrigkeit. Insbesondere in einem Restaurant um die Ecke ist diese ausgeprägt. Als meine Spargelsuppe kommt, tummeln sich in der Schale Zwiebelringe in typisch bräunlicher Farbe und auch an Käse mangelt es nicht. Ich weise den Kellner darauf hin, dass ich etwas anderes bestellt hatte. „Nein, du hattest Spargelsuppe bestellt.“ – „Ja, aber das hier ist eine Zwiebelsuppe.“ Auch meine Erklärungen, dass ich schon oft Spargelsuppe in diesem Restaurant gegessen habe und es sich hier garantiert nicht um eine solche handele, stoßen auf taube Ohren. Widerwillig trägt der Kellner die Zwiebelsuppe schließlich fort. Wenig später kommt eine Art Brei. Mutig probieren wir. „Wenn überhaupt je ein Gemüse diese Suppe gestreift hat,“ sagt C, „dann vielleicht eine Erbse.“ Der Kellner schüttelt den Kopf: „Das ist natürlich Spargelsuppe.“ Der Teller bleibt weitgehend unangetastet. Auf der Rechnung erscheint am Ende eine Zwiebelsuppe.

Als die jüngsten Anschläge viel Aufmersamkeit auf das Intercontinental richteten, mokierte sich unser Freund Heiner zurecht: Warum man es immer als Luxushotel bezeichne, und ob die Betreffenden je dort gewesen seien. In der Tat liegt der Charme des Intercontis mehr in der gewesenen Pracht, dem „Museum“ für Silberkellen und -kännchen aus der Zeit nach seiner Eröffnung 1969, und der schönen Nuristani-Schnitzbar, an der heute nur noch überlagtere grün-roas Cremeschnittchen zu Nescafé gereicht werden. Exclusiv daran ist allein, dass es auch den wohl schönsten Pool der Stadt hat, der auch bei gähnender Leere ausschließlich Männern vorbehalten ist.

Der Service ist ähnlich fragwürdig wie im Serena, dem anderen „Luxushotel“. Im Fitnessbereich gibt es an diesem Tag keine großen Handtücher, allerdings wird auch nicht geschätzt, wenn man im Bikini den Sportbereich zum Pool durchquert. In einen Bademantel gehüllt bitte ich den Kellner, sich um Handücher zu kümmern. Er zuckt die Schultern: „Da müssen Sie nach draußen gehen und das beim Manager anmelden.“ Ich deute auf das Telefon neben ihm: „Ich laufe bestimmt nicht den ganzen Weg zurück, ziehe mich um und wende mich wegen ein paar Handtüchern ans Management. Wie wäre es, einfach mit diesem Telefon dort anzurufen und welche zu ordern?“ Der Kellner: „Nein, dann schreien die mich nur wieder an.“

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