Das Geld liegt (irgendwie) auf der Bank

Das Afghanistan keine „zweite Schweiz“ wird, ist einer der meiststrapazierten Allgemeinplätze. Ob Afghanen politisch davon träumen, dass ihr Land schweizischer werden möge, weiß ich nicht. Wenn man sich anschaut, gegen wieviel Widerstand das Frauenwahlrecht dort durchgesetzt wurde – im Kanton  Appenzell 1990 -,   mag konservativen hiesigen Kräften die Annäherung durchaus attraktiv erscheinen. Auch im Bankensektor hätte man sicherlich nichts dagegen, denn gerade um Stabilität und Bankgeheimnis ist es hier nicht gut bestellt.

Wenn man in die Hauptfiliale der AIB tritt, blickt man gleichzeitig in eine offene Tiefgarage und auf die Bankschalter ein halbes Stockwerk darüber. Am Schalter verweist mich die Angestellte an dem Kundenservice: „Wenn Sie drei Monate lang keine Bewegungen auf ihrem Konto vornehmen, wird es automatisch gesperrt.“

Ich muss schriftlich versichern, außer Landes gewesen zu sein, so dass ich nicht auf mein Konto zugreifen konnte. Der Zuständige verschwindet mit diesem Schreiben und kommt mit einigen anderen Dokumenten für seine Schublade zurück. „Es ist jetzt wieder entsperrt, aber Sie müssen innerhalb der nächsten Stunde eine Transaktion vornehmen.“ Ich erkundige mich, wieviel auf dem Konto stehen bleiben muss, damit es nicht geschlossen wird. 100 Dollar, heißt es. „Aber es ist schöner, wenn Sie eine runde Summe abheben, also lassen sie halt 90 Dollar stehen.“

Die Grazie schüttelt ob dieser Willkür den Kopf aber meint, immerhin hätte ich mein Konto nicht bei der Kabul Bank oder der Azimi-Bank. „Die bricht bestimmt als nächste zusammen. Als ich neulich dort war, um mein Konto zu schließen, wollten sie es gar nicht zulassen. Erst haben sie insistiert, dass sie unbedingt wissen müssen, weswegen. Das ging sie gar nichts an! Als ich mich damit durchgesetzt habe, haben sie meine Bankkarte und meinen Ausweis gedreht und gewendet und hinterfragt, ob ich das wirklich bin.“ Die Geldinstitute hätten insgesamt stark an Ansehen verloren. „Neulich haben sie zwei Männer im Fernsehen gezeigt, die mal als Putzkolonne in der einen gearbeitet haben. Daher hatte die Bank ihre Daten und hat auf ihren Namen Konten eingerichtet, über die dann krumme Geschäfte gelaufen sind!“

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