Die guten Wünsche

„Ich muss nur noch mal eben weg,“ sagt C, und meint damit eine Reise. Da mein endgültiger Abschied aus Afghanistan naht, laden wir rasch alle Freunde zum morgendlichen Grillen im Garten ein, damit er mittags seinen Flug erreicht. „Bis das Lammbein durch ist, braucht es so lange, vielleicht sollten wir es diesmal nicht ganz mit auf den Grill packen sondern nur das Fleisch.“ Man sieht C das Bedauern darüber an, später keinen Knochen abnagen zu können, aber er sieht es ein. Die Gäste kommen, C fliegt ab. Trotz sofortigen Aufräumens und Spülens umflort am Abend ein Missgeruch die Küche. Soweit ich sehe, liegt dort nur noch die Tüte eines Gastes, mit dem Vermerk, sie nicht wegzuwerfen, doch am nächsten Morgen wache ich im Schlafzimmer von einem Pesthauch auf, der mich umgehend aufstehen lässt. Sorgsam verborgen unter der Tüte liegt vergessen der Lammknochen. „Oh nein,“ ruft C am Telefon, „ich dachte, vielleicht könnhte man ihn ja doch noch … und dann habe ich ihn einfach vergessen!“

Für mein kulinarisches Wohl ist in den Abschiedstagen gesorgt. „Wer geht, bringt noch einen Kuchen mit, oder?“ erkundigt sich Mr. A. „Das mag wohl so sein, aber ihr habt bei mir auch noch eine Einladung ins Restaurant gut,“ sagt Mr. M. Dort angekommen, schaut die Grazie sich misstrauisch um. „Man hört, hier gehen Liebespaare hin, ich hoffe, niemand sieht mich hier!“ tuschelt sie.

Eine gemeinsam finnisch-estnische Abschiedsgartensauna, eine letzte Milonga auf dem Dach der kanadischen Botschaft, und unendlich viele afghanische Köstlichkeiten in verschiedenen Runden machen den Abschied nicht leichter. Das Team schenkt mir einen hinreißenden Teppich aus Herat, auf dem sich mythenhafte und geradezu psychedelische Gestalten tummeln. Begleitet von den typisch afghanischen guten Wünschen an Reisende verlasse ich Kabul: „Möge dein Platz immer grün bleiben.“

Dies ist der letzte Grüne Afghane. Mittlerweile lebe ich in Beirut. Damit die guten Wünsche in Erfüllung gehen, gibt es von dort den Grünen Libanesen.

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Eine Antwort to “Die guten Wünsche”

  1. Marga Says:

    Schade – ich werde den Grünen Afghanen vermissen. Gruß Marga Flader – Afghanistan-Schulen

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