Archive for the ‘Mode und Design’ Category

Schilderbürgerstreiche

1. September 2011

Da viele Angehörige des Militärs sich nie in der Stadt bewegen dürfen, sind in den Camps Läden oder sogar eigene Basare eingerichtet, in denen man auch als Soldat mutmaßlich landestypische Souvenirs kaufen kann. Hier kann man schöne Tücher, Schals und Umhänge erstehen, aber auch erstaunliche Funde machen. Die grünleuchtenden Kunstharzaschenbecher mit den Skorpionen kommen mir aus den Souvenirläden auf dem Sinai vertraut vor, und ich frage mich, wieviele Soldaten mit den äußerst unafghanischen pailettenstarrenden Bauchtanzgewändern im Gepäck nach Hause fahren.

Eine Stickerei, die die Namensschilder für die Uniformen herstellt, bietet draußen fehlerhafte Exemplare an. Bei den meisten Schildern weiß man nicht, wie es eigentlich hätte heißen sollen, aber ein Herr ist hier mit sage und schreibe fünf Schreibweisen vertreten. Man kann sich vorstellen wie seine Verzweiflung mit jedem Versuch gewachsen sein muss. Auch das „Close Protection Team“ war wahrscheinlich nicht entzückt, dass man einen ganzen Satz mit „Cloes …“ angefertigt hat. Nebenan gibt es afghanische Fußballtrikots in den Farben der Nationalflagge, mit Rückennummer. „Schau, ‚AFGHANISTAN‘ – ganz groß und ohne Fehler,“ sage ich, passiert es nicht nur mir doch ausgerechnet beim Landesnamen oft, im Eifer des Tippens „Afgahnistan“ zu schreiben. Dann jedoch fällt mein Blick auf das über dem Schriftzug aufgenähte Etikett: „Afghanisian“.

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Quadratisch, modisch, gut

30. September 2010

Meine deutschen Mitbringsel wurden zunächst mit einer gewissen Skepsis betrachtet. Besonders bei dem schwarz-weißen Schal, der in ganz typisch afghanischer Manier kariert ist, spalteten sich die Geister. Ich fand es lustig, während C meinte, der Beschenkte würde sich vielleicht verulkt fühlen. Leider hatte C recht. Mr. A. fragte, ob ich den irgendwo in Afghanistan gekauft hätte. Als ich versicherte, der entstamme der aktuellen Herbstmode in Deutschland, hatte ich das Zauberwort gesprochen: Auch wenn die meisten Dinge nicht dort produziert sind, herrscht in Afghanistan der unerschütterliche Glaube, man habe es mit hochwertigen Waren zu tun, wenn sie aus Deutschland kommen.

Die Begeisterung stieg zusehends: „Der ist ja so weich! Gute Qualität!“ Minuten später hatte Mr. A. den Schal um den Hals, und seither habe ich ihn nicht mehr ohne gesehen. Zum schwarzen Anzug, zum grauen Anzug, zum beigefarbenen Anzug – die beiden sind unzertrennlich geworden. Neulich beim Mittagessen freute ich mich darüber . „Ja,“ sagte mein afghanischer Kollege,  und blickte mit Wohlgefallen an sich herab, „damit sehe ich aus wie ein Ausländer, der versucht, wie ein Afghane auszusehen.“

Zickige Teenager

13. Juli 2010

Gemüsehändler und Bäcker freuen sich, wenn ich komme, der kleine alte Herr aus dem Tante-Emma- respektive Onkel-Hafizullah-Laden macht mich immer ganz verlegen mit seinen Geschenken, und Sarah hat mich so in ihr Herz geschlossen, dass sie mich auf der Straße schon von weitem erkennt und sich jauchzend in meine Arme wirft. In unserem Viertel sind relativ viele Ausländer unterwegs, aber sie sind noch immer eine Attraktion.

Oft höre ich Kinder oder Erwachsene hinter meinem Rücken „Ausländerin! Guck mal eine Ausländerin!“ raunen. Bei Kindern drehe ich mich meistens um und plaudere mit ihnen. Besonders, wenn sie Fremdsprachen lernen, sind sie immer begeistert, ihr Englisch, Deutsch oder Französisch mal ausprobieren zu können. Die, die mich auf Dari ansprechen, sind oft erstaunt, wenn ich ebenso antworte. „Kommt, kommt! Die spricht Dari!“ johlte neulich ein kleiner Junge seinen Klassenkameraden zu, als er gerade aus dem Schulbus gesprungen war. Der Fahrer hatte Mühe, die anderen alle wieder zum Einsteigen zu bewegen.

Die Größeren verfolgen meine Anbandelversuche mit Kindern mit einem gewissen Neid. Als ich neben einer Clique männlicher Jugendlicher mit kleinen Mädchen Höflichkeiten austausche, flötet einer der Halbwüchsigen in einschmeichelnder Stimmlage: „Miao. Wir möchten auch Kinder sein, damit du auch mit uns redest, miao.“  Wenig später kommen mir zwei Jugendliche entgegen. Einer hat eine Fönfrisur, der andere nach hinten gegelte Haare. Ihre Kleidung ist der letzte Schrei in Kabul – enge Jeans mit Stickereien, hautenge T-Shirts – und das, obwohl man in Afghanistan auch als Mann eigentlich keine bloßen Arme zeigt. Während sie sich möglichst nah an mir vorbeidrücken, herrscht mich einer von ihnen an: „Close the button!“ – In der Tat, zwischen meinem halbherzigen Kopftuch und dem Kragen ist ein Streifen Haut zu sehen, aber von diesen beiden hätte ich nun wirklich keinen Kommentar erwartet. Leider bin ich zu perplex, um ihnen eine geeignete Antwort zu geben.

Da lobe ich mir den gebeugten kleinen alten Mann mit weißem Bart, weißem Gewand und weißem Turban, der eigens über die Straße geschluft kommt, um mir glücklich die Hand zu schütteln und mich zu fragen, ob ich Tee trinken möchte.

Schäumen im Talibad

13. Mai 2010

Der Wächter wünscht sich eine unserer Zeitschriften. Wir haben einen ganzen Tisch voll Economist, Newsweek, Stern, Spiegel, insofern lasse ich mir lieber zeigen, um welches Magazin es ihm geht. Er zieht aus den Stapeln ein Exemplar der „Brigitte“ hervor und weiß auch sofort, wo er darin suchen muss. Offensichtlich blättert er häufiger darin. „Hier,“ sagt er, und deutet auf Shampoo-Werbung von L’Oréal mit einer Großaufnahme einer Brünetten: „Sie sieht genauso aus wie meine geliebte Cousine.“ Glücklich zieht er mit dem Bild von dannen.

Shampoo-Werbung ist schwierig in diesem Land: Es ist nicht verboten, gilt aber als anstößig, wenn Frauen ihr Haar offen zeigen, und auch, sich abbilden zu lassen ist weiterhin heikel. Das heißt nicht, dass es in Kabul keine Frauenbilder gibt. In den Schaufenstern drängen sich weibliche Schaufensterpuppen aus sowjetischer Produktion, Schönheitssalons, in denen Frauen für die Hochzeit geschminkt werden, Getränkemarken – sie alle werben mit Postern, auf denen Frauen zu sehen sind. Dennoch ist es etwas anderes, wenn der Blick in einer Anzeige direkt auf die Frau oder ihr Haar gelenkt werden soll. Ein Freund erzählt von einer Shampoowerbung mit Frau mit Kopftuch. Das sei schon ganz geschickt gemacht, es ginge darum, dass ihr Mann es so gerne hat, wenn sie oft mit einem neuen Styling aufwarte, was man mit wechselnden Kopftüchern verdeutlicht habe.

Kaum haben wir uns darüber im Büro ausgetauscht, kommt ein Kollege. Er will unbedingt Herbal Essences-Shampoo finden, weil es angeblich gegen weiße Haare hilft. Den Tip habe er von einem Freund, der sich sehr gut in der Branche auskenne: „Er ist ein bisschen „sissy“ und befasst sich viel mit Haarwaschmitteln und Cremes.“ In den Supermarktregalen finden wir die hier bestimmt ebenso beliebte wie sinnlose Shampoovariante „Blonde Bombshell“ und ein Anti-Kollegen-Haarwaschmittel („Original Chinese Garlic Shampoo“). Am besten gefällt uns jedoch die aus Spanien importierte „Anti-Caída“-Haarspülung gegen Haarausfall. Mr. A. sagt, es hätte zwar einen kleinen Schreibfehler, aber Hauptsache, es wirkt.

Mädels, weint nicht

19. März 2010

Der violette Märchenbus mit pinkfarbenem Prinzessinenschriftzug und einem grünen Drachen, der über das Dach lugt, begenet uns oft. Leider können wir nie genau erkennen, wer drinsitzt – ich denke an Schulkinder, aber meine Mitarbeiterin ist überzeugt, dass darin Regierungsbeamte durchs Viertel schaukeln.

"Liebe ist keine Sünde" und "Liebe verwandelt die Dornen in Blumen" - zwei der beliebtesten Mawlana-Zitate auf Taxis

Madame M. muss mich schon für ein bisschen manisch halten, weil ich jeden Morgen am Autofenster klebe und nach dem Prinzessinenbus Ausschau halte, sie ihn aber noch nie gesehen hat.

Dafür hat sie ein anderes Juwel auf dem Salangpass erspäht: „Ich dachte ich guck nicht richtig, juckelt da doch dieses alte Vehikel vorbei, auf dessen Seite steht ‚Trittin ist dein Ruin'“. Davon hätte ich gerne ein Foto.

Viele Entwicklungsländer sind eine Art mobiler Autofriedhof, aber hier spalten sich die Vorlieben. Manche wollen ihr Auto ganz schlicht haben, Corolla-Besitzer wollen, dass auf ihrem ‚Corolla‘ steht (und möglichst oft!), und viele pflegen aufopferungsvoll all die Aufschriften und Aufkleber, egal was sie besagen. Wir kommen an einem Bus vorbei, bei dem der Inhaber liebevoll den einstigen Schriftzug auf der Tür nachgemalt hat. Das Resultat: ein „Lineinbus“ aus „Humbarg“.

Mr. M. klopft unserem Fahrer auf die Schulter: „Was hattest du noch mal auf deinem alten Auto stehen?“ – „‚Komm ruhig näher, Süßer! Dann schalte ich in den nächsten Gang und zeig dir, was das Auto kann,'“ sagt der Fahrer und klingt, als meine er es auch so. Die Grazie erzählt: „Einmal war ein Auto vor uns, auf dessen Heckscheibe stand ‚GIRLS, DON’T CRY – I WILL BE BACK!‘ Ich habe zum Fahrer gesagt, los, fahr, wir wollen sehen, wer das ist. Als der andere ausgestiegen ist, haben wir beide gelacht. Das war der hässlichste Mann, den wir je gesehen haben.“

Zu modern

4. November 2009

Die Grazie, immer ein Ausbund an Eleganz, steigt heute in einem cremefarbenen Ensemble aus dem Auto. Der Fahrer staunt, der Wächter erschrickt. Er kommt teilnahmsvoll auf sie zu und fragt, ob es ihr gut geht. Sie bejaht verwirrt. Er deutet weiterhin besorgt auf ihr breites weißes Haarband: „Hast du Kopfschmerzen? Tut es sehr weh?“ Die Grazie plustert sich fast zu seiner Größe auf: „Kopfschmerzen? Das ist MODISCH, mein Lieber!“

Schneidern nach deutschem Geschmack

24. September 2009

Das erste Mal in meinem Leben befasse ich mich mit Burda-Moden und Brigitte. Das liegt an dem Schneider, zu dem mich die Grazien immer mitnehmen. Ein Besuch bei ihm ist ein Erlebnis und das Ergebnis seiner Arbeit lassen nichts zu wünschen übrig. Er hat ein faszinierendes Auge dafür, wie Dinge geschnitten sein müssen, um perfekt zu passen. Bei manchen der Kleider habe ich nachträglich noch einen Reißverschluss einfügen lassen, da die Qualitäten eines Schlangenmenschen zum rein- und vor allem rauskommen erforderlich waren, aber sie saßen wie angegossen.

Wann immer ich seinen Laden betrete, beginnt ein Ritual des Feilschens um alles – außer um den Preis.

Ich drapiere meine Stoffstücke auf dem Ladentresen, und er zupft mit hochgezogenen Brauen an den Zipfeln. „Ich frage mich, wie nur kann man es schaffen, so winzige Stoffstücke überhaupt zu kaufen?“ lamentiert er. In der Tat,  zwischen den dicken Stoffbündeln, die die Grazien aus ihren Taschen ziehen, nimmt es sich mickrig aus. Sie beugen sich über den Tresen: „Aber schau doch, für uns braucht man auch viel mehr. Sie ist ja nur … eine halbe Portion!“ Ich trete einen Schritt zurück, posiere in meinem auch von ihm geschneiderten Hemd und sage, das scheine mir doch ausreichend. Seufzend beugt er sich über sein Skizzenbuch und beginnt mit Kugelschreiber den Entwurf. „Keine Puffärmel!“ sage ich streng, und versuche eine kleine Korrektur.

„Ich weiß nicht, was sie sich einbildet,“ kokettiert er. „Wir sind hier nicht im Westen und können alles!“ Dezent schiebt er dabei einige Kataloge indischer Moden unter ein paar Stofffetzen, die ich natürlich sofort wieder hervorziehe. „Aber hier, die haben doch alle keine Puffärmel! Wer diese eleganten Schnitte draufhat, wird doch nicht vor meinen schlichten Vorstellungen kapitulieren!“

Sichtlich geehrt beginnt er eine Diskussion um den Ausschnitt. „Wir halten es ja eher mit dem hochgeschlossenen … Aber hier zum Beispiel habe ich mir einen Trick einfallen lassen! Es schließt am Hals, aber dann kommt erstmal lange … gar nichts. Nur dieser Hauch, ein kleiner Streifen hier und dort. Ich sage ja auch immer, zieht was drunter, also diese hautfarbenen Oberteile gibt es gerade äußerst günstig im Basar! Die Grazien lüpfen kichernd ihre Schals in meine Richtung: „Haben wir schon! Aber warum was drunter ziehen, wenn es auch drüber geht?“

Ich komme auf die Ärmel zurück. Nicht lang, nicht kurz, aber auf jeden Fall schlicht wolle ich es. Der Schneider kommt zu dem Schluss, dass das Stoffstück sogar lange Ärmel zulasse. Ich bitte die Grazien zu betonen, dass sie dann unten nicht eng sein sollten. Der Schneider schaut verwirrt und vertieft sich in eine lange Debatte mit seinen beiden Kollegen, die gebannt gelauscht haben. Ich erkundige mich, was los sei. Die Grazien erklären mir, er sei unschlüssig über meinen Glauben: „Weite Ärmel braucht man doch nur, wenn man ordnungsgemäß beten will, sie vorher hochschieben, und jetzt wundert er sich, warum ausgerechnet du als Ungläubige so unmodisch rumlaufen willst.“

Verstohlen blicke ich auf ihre Ärmel, die kaum genug Platz fürs Handgelenk lassen. Sie versichern eilig, die Gebete des Tages könne man ja auch in seiner Freizeit nachholen, und da würden sie ganz anders herumlaufen. 

Der Schneider knipst ein Stoffstückchen ab und pinnt es mit einer Stecknadel in den nun auch mit Maßen versehenen Entwurf. So erinnert er sich bei den vollen Regalen daran, was woraus gemacht werden soll. Ich bedanke mich. Er aber hat noch eine Frage: „Woher kommst du eigentlich?“ – „Aus Deutschland.“ Ein Leuchten tritt in seine Augen: „Wenn sie das nächste Mal hinfährt,“ wendet er sich an die Grazien, „könnte sie mir vielleicht ein paar Modemagazine mitbringen? Wann immer ihre fertigen Stücke hier hängen, fragen viele, ob sie es nicht genauso haben können.“

Alle Felle auf

9. August 2009

Während wir durch die Stadt fahren, sehen wir plötzlich einen Bekannten. Da sich dieser Tage nur wenige Ausländer zu Fuß in der Stadt bewegen, halten wir sofort an, um ihn zu begrüßen. Neben uns sind lauter Fellgeschäfte, und sobald wir uns verabschiedet haben, dringe ich darauf, in eines zu gehen. Vor dem ersten hängen lauter Kaninchenfelle, es sieht nicht so spektakulär aus. Beim zweiten handelt es sich um einen Hutmacher. Die zahlreichen Kinder im Laden nötigen uns, einzutreten und ein paar Modelle anzuprobieren. Einige der Hüte sind originell gemustert. „Das ist Caracol-Schaf. Gibt es nur hier in Afghanistan.“ CIMG4988

Wir probieren ein schwarzes Barett im Karzai-Stil (weil es aus Caracolschaf ist, hier auch Caracol genannt), ein paar an Prinz-Heinrich-Mützen gemahnende Kopfbedeckungen, flauschige Honecker-Pelzhüte. Gerade in der Sommerhitze ist es jedoch nicht leicht, eine Entscheidung zu den Wintermoden zu treffen.

New York, Paris, Peshawar

20. Juli 2009

Wenn man Pakistan nur aus den Erzählungen der Grazien kennen würde, käme man nicht auf den Gedanken, dass es ein Staat, gar einer mit zweifelhafter regionaler Rolle oder ein ungeliebter Nachbar sein könnte. Stattdessen würde man es für ein riesiges Einkaufsparadies halten. Nirgendwo ist die Schuhauswahl größer, die Qualität besser, die Stoffpalette bunter als in Pakistan. „Allein für Schuhe lohnt es sich schon, nach Peshawar zu fahren.“ – „Aber die gleiche Marke gibt es doch auch hier,“ sage ich. „Ja, aber nur zweite Wahl.“

Ein männliches Teammitglied erinnert sich leise seufzend an die Reise nach Lahore mit einer Kollegin. „Sie hat kein Geschäft ausgelassen! Und ich kann noch von Glück sagen, dass sie da war, denn sonst hätte ich die Läden alle abklappern müssen.“ Es ist gute Tradition, dass wer immer dorthin fährt, den anderen Stoffe mitbringt, damit sie sich daraus etwas schneidern lassen. Es sind immer drei verschiedene Stoffstücke für Hose, Oberteil und Schal.

Ich streiche über mein neuestes Gewand, das ein Reisemitbringsel einer Mitarbeiterin aus Indien ist, ein elegantes, mit goldenen Fäden durchwirktes hellblaues Oberteil – mit einer schweinchenrosa Hose. „Als ich die Kombination sah, habe ich gleich an dich gedacht. Mit deiner hellen Haut solltest Du viel mehr Pink tragen!“

Der Mitarbeiter wendet sich der Modebewusstesten zu: „Du hättest in Lahore bestimmt fünf Stunden auf dem Basar verbracht.“ Sie lächelt: „Fünf Stunden? Die brauche ich doch schon hier, in der Kabul Mall. Dort hätte ich sicherlich Tage gebraucht!“

Unsterbliche Klänge und Frisuren

11. Juli 2009

Musik ist in Kabul beliebt. Überall hört man die Lieder aus den indischen Filmen, und besonders angesagt ist momentan „Breathless“, in dem der Sänger angeblich zwei Minuten und vierzig Sekunden lang singt, ohne Luft zu holen. Heute im Taxi ertönt der größte Star unter den afghanischen Musikern: Ahmad Zahir. Obwohl er seit 30 Jahren tot ist, führen seine Liebeslieder und melancholischen Balladen noch immer die Hitparaden an.Ahmad_Zahir Nebenbei bemerkt lebt sein Erbe auch in der Haarmode und der ungebrochenen Beliebtheit von Koteletten weiter. 

Ich frage den Taxifahrer mit seiner frisch nach oben geworfenen Tolle, wo ich eine CD von Zahir erwerben könnte. Er bremst und deutet auf einen Stand am Straßenrand. In meinem Auftrag wählt er die drei besten Alben aus und bietet an, sie gleich auf der Fahrt zu testen. Die ersten beiden sind völlig in Ordnung, die dritte CD mag der Player jedoch weder abspielen noch wieder auswerfen. 

Ich entschuldige mich, denn es ist nicht sein Auto und für sein nettes Angebot bekommt er jetzt bestimmt Probleme. Der Fahrer lächelt, kramt im Handschuhfach und fördert eine CD zutage. „Das ist nicht die, die du eben gekauft hast, aber auch Ahmad Zahir, auch gut. Nimm die, und wenn ich die andere wieder rauskriege, tauschen wir.“