Archive for the ‘Praktische Ratschläge’ Category

Das A und O

6. Juli 2011

Manchmal denke ich, eine bleibende Folge meines Afghanistan-Aufenthaltes könnte eine Nervendehnung sein. Ich habe mich in vielerlei Hinsicht damit abgefunden, dass Dinge nicht so schnell oder nicht so gehen, wie ich es mir erhoffe, aber auch mein afghanisches Team verdreht ob der Ausreden, mit denen manches hinausgezögert wird, nur die Augen. „Wenn sich ein Projekt so hinzieht, wir nennen das ‚zahm-e shadi“ – eine ‚Wunde an einem Affen‘,“ sagt die Grazie. Mr. M. ergänzt: „Wenn ein Affe sich verletzt, wollen alle anderen seine Wunde sehen und fingern darin herum. Deswegen heilt sie ewig nicht.“

Bei einem Kollegen wundere ich mich, dass es sich immer hinzieht, wenn er „rasch“ eine Mail versenden soll oder will. Als er mir an seinem Computer etwas zeigen will, merke ich, dass mit der Tastatur etwas nicht stimmt. Bedächtig sagt er: „Das ‚i‘ und das ‚k‘ funktionieren nicht. Ich habe mal versehentlich Kaffee drüber gekippt.“ Das war im Februar. Seitdem ruft er sich eine Tastatur am Bildschirm auf und bedient sie mit dem Touchpad. „Könnten wir nicht eine externe Tastatur anschließen?“ frage ich. Mr. A. nickt. „Das wäre die einfache Variante.“

Vielfältige Wege

11. Juni 2011

Nach dem Sommerfest des Goethe-Instituts versuche ich, ein Taxi dorthin zu ordern. Das Unternehmen kennt das Goethe-Institut nicht, was aber auch daran liegen mag, dass ich die „richtige“ Aussprache nicht beherrsche. „Das deutsche Kulturinstitut in Wazir Akbar Khan,“ biete ich an – kein Erfolg. „Dort ist auch die Visa-Abteilung der deutschen Botschaft.“ – „Die was?“ – „Na, dort bekommt man Visa für Deutschland.“ Ein ratloses Schweigen am anderen Ende der Leitung, dann sagt der Unternehmer: „Miss, es gibt so viele Läden, in denen man Visa kaufen kann, ich weiß wirklich nicht, welchen sie meinen.“

Die Hubschrauber-Husseins

2. Februar 2011

Anders als der Kabuler Flughafen sind die auf dem Lande nicht so gut gesichert. Man kann also ungestört auf das Flugfeld gehen oder sich aus nächster Nähe anschauen, wie Flugzeuge oder Hubschrauber starten. Während wir beobachten, wie ein Hubschrauber wippt und sich zum Start bereitmacht, erzählt Mr. M. aus seinem Dorf, in dem als er klein war, mal ein Hubschrauber landete.

„Das war eine absolute Sensation, weil damals noch kaum jemand sie auch nur am Himmel gesehen hatte,“ erzählt Mr. M. „Die Kinder sind weggelaufen, aber alle anderen wollten das unbedingt sehen. Ein Bauer kam auf seinem Esel an, und ist so nahe gekommen, dass es ihm den Kopf abgerissen hat.“ Daher habe sich dieses Ereignis auch tief in die kollektive Erinnerung des Dorfes eingebrannt. „Man nennt diese Familie bis heute die ‚Hubschrauber-Husseins‘.“

Oder wie Herodot nach seinen Ausführungen über den Phönix bekundete: „Das jedenfalls erzählt man sich.“

Bis zum Stillstand

21. Dezember 2010
Fahrradwerkstatt

Fahrradwerkstatt

Zum Jahresende prüfe ich unserer Projekte und Akten. Dabei werfe ich auch einen Blick in das Fahrtenbuch. Das müssen wir führen, um zu dokumentieren, dass wir mit dem Auto ausschließlich dienstliche Fahrten unternehmen. Da Afghanistan kein Land für Spaßfahrten ist und man auch immer einen Fahrer bräuchte, sehe ich hier kein Problem. Dennoch irritiert mich, dass die täglichen Einträge vor fast zwei Monaten aufgehört haben. Mr. A. zuckt die Schultern: „Am 4. November ist der Kilometerzähler kaputtgegangen.“

Ich hole tief Luft und zähle innerlich bis drei. „Wie wäre es, wenn wir ihn reparieren lassen?“ frage ich diplomatisch. „Das haben wir versucht. Wir hatten das Auto in mehreren Werkstätten, aber keine hat es hingekriegt. Sie haben gesagt, sie könnten nur die wichtigen Reparaturen machen, damit das Auto fährt, aber von Kilometerzählern würden sie nichts verstehen.“ Ich schlage vor, dass wir nach seiner Rückkehr Dr. Kolben fragen sollten, was ein andächtiges Nicken nach sich zieht. Dr. Kolben hat einen Ruf wie Donnerhall, seit einer unserer Wächter ihn dabei beobachtete, Gardinenstangen millimetergenau abzumessen und genauso präzise abzusägen.

Als Dr. Kolben Wächter und Gärtnerdamit beauftragte, jeweils ein halbes Kilo zweier Nagelsorten zu beschaffen machten sie große Augen. Üblicherweise zählen sie, wieviele gebraucht werden, und gehen durchaus auch für einen oder zwei einzelne Nägel auf den Basar. Allerdings machte auch Dr. Kolben große Augen, als er nun statt zwei Sorten eine bunte Tüte mit einem ganzen Nagelsortiment bekam.

Der Reißverschluss der Verdammnis

23. November 2010

Unlängst sah ich noch einmal meine Lieblings-Spongebob-Episode mit dem Fliegenden Holländer. Spongebob treibt den Schiffsbesitzer in den Wahnsinn, weil er, obwohl die Felsen bereits die Planken vom Bug reißen, beim Navigieren unbekümmert „nochn Stück, nochn Stück, nochn Stück“ brüllt. Ich glaube, Hafizullah hat diese Folge auch gesehen. Obwohl das Dach weitläufig ist, muss beim Rangieren mit dem Sofa erst ein Schornstein dran glauben, dann reißt er mit der Ecke der Couch versehentlich das Wasserrohr vom Tank ab, so dass unser Haus geflutet wird.

Die Grazie blickt wissend, als ich ins Büro komme. „Erinnerst du dich an die kaputte Lampe im Flur? Da kam Hafizullah mal mit einem Besen vorbei. Außerdem hat er doch damals das Regal transportiert, bei dem leider die Glastür offenstand …“

„Das ist etwas, was man oft sieht – viel Kraft, wenig Mitdenken, Hauptsache, es wird irgendwie fertig,“ fügt sie hinzu. Ich seufze. Es wäre schön, wenn alles fertig wäre, aber nachdem ich allen Beteiligten vielfach eingeschärft habe, dass all unsere Möbel beim Streichen vollständig abgedeckt sein sollen, haben die Maler heute dennoch die Folie ausgerechnet über dem einzig wertvollen Möbelstück weggezogen und es mit weißer Wandfarbe bekleckert. Am liebsten hätte ich jetzt auch noch den „Reißverschluss der Verdammnis“ aus Spongebob, durch den ich sie alle fallenlassen könnte. Immerhin lerne ich, dass man für „Mund fusselig geredet“ auf Dari sagt: „Mir sind Haare auf der Zunge gegrünt.“

Das Wüste lebt

10. August 2010

Die Umweltkonferenz findet großen Zuspruch in Kabul. Das Bild wird ein bisschen verzerrt, denn wir können hier nicht wirklich öffentlich tagen. Selbst auf unserer Webseite werben wir nicht für kommende Veranstaltungen, sondern laden nur all diejenigen ein, von denen wir denken, sie könnten Interesse haben – und hoffen, dass sie uns darauf hinweisen, wenn ihnen noch jemand anderes einfällt. Wir haben über 200 Leute eingeladen. Normalerweise kommt etwa die Hälfte. Diesmal jedoch schauen im Laufe des Tages rund 160 Besucher vorbei, fast alles Afghanen, denn das Thema ist hier neu.

Leider ist es das auch für den Dolmetscher. Erst denke ich, die Kopfhörer seien kaputt, so dass bei mir nur alle paar Minuten ein Satz ankommt. Dann aber merke ich, dass er völlig schwimmt. Ich horche auf, als plötzlich die „Untergrundmärkte“ ins Spiel kommen, bis er sich korrigiert: „Grundwasser, meine ich“. Dann orakelt er weiter „Mikrogramm … nein, Wasser!“ Ich höre förmlich die Schweißperlen von seiner Stirn tropfen, aber lustiger ist sein Kollege in der Dolmetscherkabine, der gelegentlich zischt: „Was machst du da eigentlich?“

Er nimmt mir übel, dass ich mich beschwere und kommt in der Pause auf mich zu. „Kann ich dich kurz sprechen?“ fragt er in herrischem Ton. Gleich darauf kommt die weinerliche Stimme zu Einsatz. Ob ich mir überhaupt klar machen würde, wie es sei, in dieser Kabine zu sitzen? Einmal nur solle ich mir verdeutlichen, was für eine schwierige Aufgabe er habe, er verstehe die Leute einfach nicht, und überhaupt, das Thema … Ich merke an, dass ich mit meinem rudimentären Dari mehr verstanden habe, als in seiner englischen Fassung. „Du bist so ernst!“ wirft er mir vor. „Genau,“ sage ich, „das ist auch ernst. Du solltest deinen Job ernst nehmen.“ Er wirft sich in Pose: „Dann GEHE ich, genau JETZT.“ Zum Glück habe ich von Madame M. gelernt  und zucke nur die Achseln: „Wenn du meinst. Es besteht dann auch keine Notwendigkeit, eine Rechnung zu schicken.“ Beleidigt trollt er sich.

Es geht weiter, und wieder versinke ich im Paralleluniversum der Übersetzung. Worum es genau geht, wird mir nicht so klar, aber es regt die Fantasie an, von Warlords zu hören, die sich Mülldeponien unter den Nagel reißen, um dort Häuser zu bauen. In Sherpur, einem Stadteil von Kabul, in dem jeden Tag neue Prunkpaläste fertiggestellt werden, könnte man gar den Eindruck haben, die Müllhalden dazwischen seinen gewünscht, damit die Häuser um so heller strahlen.

Der Redner aus dem Gesundheitsministerium hat das Thema „Auswirkungen des Mülls auf die allgemeine Gesundheit“ offensichtlich etwas spezifischer aufgefasst. Er schwelgt in Erzählungen über die Temperaturen, bei denen Krankenhausmüll entsorgt wird. Dazu zeigt er ein Dia eines kleinen rostigen Mülleimers. Jedes Krankenhaus sei mit einem solchen ausgestattet, und nur befugte Personen hätten Zutritt. Hinter mir prustet die Grazie los: „Hast du das gehört? Er hat gesagt es bestehe ein ‚Vakuum‘ zwischen der Gesetzgebung und ihrer Umsetzung!“

Der Dolmetscher verabschiedet sich mit einem letzten Bonbon: „Desertifikation – die Wüsten breiten sich immer schneller aus in Afghanistan. Wir sollten sicherstellen, dass die Bürger sich nicht darin ergehen … die Wüsten zu zerstören!“

Alexander der Große im Alltag

28. Juli 2010

Die Gitter vor den Fenstern verleihen unserem Haus den Charme eines Gefängnisses, sind aber so schlecht montiert, dass sie keine Sicherheit verheißen. Hafizullah zuft an seinem Bart. „Schwierig, sehr sehr schwierig, das abzubauen,“ sagt er. Man solle lieber die einzelnen Stäbe durchsägen, das wäre einfacher. Ich bekomme einen säuerlichen Zug um den Mund. Afghanistan ist kein Werkzeugparadies. Vermutlich müsste auch für diese Operation die rostige alte Baumsäge herhalten, mit der der Tischler gerade unsere neuen Regalböden zerfranst. „Das sähe doch nicht gut aus, mit den Resten des Gitters,“ sage ich. Hafizullah zuckt gleichmütig die Schultern – nichts, was man nicht mit ein paar Hammerschlägen hinbiegen könne, meint er. Mein Stirnrunzeln veranlasst die Wächter, doch einen Kuhfuß zu nehmen. Innerhalb weniger Minuten ist das Gitter entfernt. 

Ich bevorzuge, nicht so genau hinzuschauen, wenn hier gebaut, montiert oder repariert wird. Ob der Besen zerbricht oder die Klingel schief hängt: Hammer und Nagel sind das Allheilmittel in Afghanistan, und gerade wenn es um das Aufhängen von Bildern geht, werden gerne so lange Nägel drumrum eingeschlagen, bis man keinen Zweifel mehr hegen kann, dass die Werke bewusst schief aufgehängt sind. Maurer bewegen sich auf schwankenden Bambusgerüsten, und auch Elektriker sehe ich immer mit einem Fuß schon im Grabe.

Immer wieder zeigt sich jedoch, dass Zerstören naheliegender als Aufbauen ist. Die meisten Gebrauchsgegenstände sind Waren 3. Wahl aus China, die sich selbst nach kurzer Zeit zerlegen. Bei anderen bedarf es eines Messers – mein Tischtelefon zum Beispiel, bei dem die Geduld fehlte, den Stecker herauszuprökeln, hat man beim Umzug kurzerhand abgeschnitten. Aus den Flickstellen im Kabel schließe ich, dass es nicht das erste Mal war. Die Sitzbezüge im Auto stören? Statt die Knoten aufzufriemeln, brennt man die Schnüre lieber durch. Das muss das Erbe Alexanders des Großen sein.

Schnurlos am Hindukusch

18. Juli 2010

Wir haben immer ein bisschen mit den Telefonen auf unseren Tischen gefremdelt. Es  handelte sich nur ein hausinternes Telefon, keinen Festnetzanschluss. Auch das hat lediglich dann funktioniert, wenn es Strom gab, was zu Anfang nicht so häufig war. Dass dieses Land das Festnetzzeitalter übersprungen hat, treibt bizarre Blüten.

Eine Bekannte erzählte mir unlängst aus einem Ministerium, dort würden die Büros über Skype miteinander kommunizieren. Ich war beeindruckt, doch sie knirschte mit den Zähnen: „Kannst du dir überhaupt vorstellen, was das bedeutet? Bei der afghanischen Vorliebe, sich ausgiebig nach dem Gesundheitszustand von dir und all deinen Familienmitgliedern zu erkundigen?“ Das stimmt, man fragt viel und gerne. Auch, wenn man sich mehrmals am Tag sieht, ist es, als begrüßte man in Deutschland einen lang vermissten alten Freund. „Ich habe dann irgendwann eine Botschaft an alle im Ministerium geschickt, dass sie mich nur kontaktieren sollen, wenn sie wirklich etwas wollen, weil ich sonst jeden Tag ein paar Studen nur durch das Zurückgrüßen und -fragen verliere.“ Daraufhin haben ihr einige Kollegen sofort beleidigt die Skype-Freundschaft gekündigt. Man stelle sich die Bürofehden in Deutschland vor, wenn Kollegen die Nummern ihrer Büroapparate für den jeweils anderen blockieren könnten.

Wir stecken mitten im Büro-Umzug und ich frage meine Kollegen im Erdgeschoss, ob das hausinterne Telefon des Herrn unterm Dach noch angeschlossen ist. „Keine Ahnung,“ sagt Mr. E. „Da hilft nur noch das Schnurlose,“ sagt Mr. A. Im Chor brüllen sie beide nach Mr. M.

Besser, es sieht nach Bruchbude aus

15. Juli 2010

Neulich hat Madame C. von einer deutsch-afghanischen Freundin verlangt, sie solle „ihr Paschtunen-Prinzessinnen-Gesicht aufziehen“ und ein strenges Wort mit dem Wächter reden. Dieses Gesicht würde ich mir jetzt gerne ausleihen, aber für den Vermieter. Die Miete war längst vereinbart und sogar angezahlt, heute soll nur noch der Vertrag unterschrieben werden. Da zuckt er bedauernd mit den Schultern. Er hätte ja ganz vergessen, wie die Steuer berechnet wird, daher müssten wir schon noch ein bisschen mehr  zahlen. Offensichtlich werden auch in Afghanistan Geschäftsmänner von einer Rechenschwäche übermannt, sobald es ans Steuern zahlen geht.

Während Mieter keine Rechte haben, sind der Gier der Vermieter keine Grenzen gesetzt. Sie fordern Phantasillionen für ihre Immobilien, und lassen sie lieber leerstehen, als sich auf geringere Summen einzulassen. Unsere Nachbarn zum Beispiel möchten für ihr Haus 20.000 Dollar im Monat haben, und einige Straßen weiter hat ein anderer Vermieter bei einem Objekt in ähnlicher Preisklasse gerade die Miete verdoppelt. Unser derzeitiger Vermieter will gar 350 % dessen haben, was wir bisher zahlen. Daran sind wir grotesker Weise wahrscheinlich nicht unschuldig: Wir haben renoviert und einen wunderschönen Garten angelegt. Kabuler Vermieter bekommen bei sowas leuchtende Augen und fordern sofort mehr Miete, weil das Haus dann ja mehr wert ist. In unserem privat gemieteten Haus lassen wir lieber den Putz von den Wänden fallen.

Ein Schwein ruft mich an

28. Mai 2010

Veraltet für Afghanistan: Ein "public calling office"

„Stalker 6“ blinkt auf dem Display des Handys meiner Freundin C. auf. „Oh nein, der schon wieder. Er möchte, dass ich für ihn als Rezeptionistin arbeite, was immer das heißen soll!“ – „Wie, das ist ein Stalker und du gehst trotzdem ran?“ Es stellt sich heraus, dass er nicht nur anruft sondern auch Textnachrichten schickt. Die meisten meiner hiesigen Freundinnen haben Probleme mit Männern, die immer wieder und zu jeder Tages- und Nachtzeit bei ihnen anrufen. Während bei Madame C. die Liste nur bis sechs reicht, gibt es auch durchaus Frauen, die mit zehn dieser Männer das Missvergnügen haben. Man kann ihnen nur schlecht aus dem Weg gehen, weil sie immer wieder unter verschiedenen Nummern anrufen.

Das betrifft durchaus nicht nur Ausländerinnen. Auch die Grazie kann davon ein Lied singen. „Ich verstehe nicht, woher die das Geld nehmen! Das kostet doch auch was, immer anzurufen. Wenn er mich nachts anruft, dann nehme ich manchmal ab und lege das Handy dann unters Kissen. Soll es wenigstens teuer für ihn werden!“ Mobilfunk hat dementsprechend nicht nur Segnungen. Allerdings wissen die Grazien auch um eine Frau, die sich die technischen Möglichkeiten zu ihrem Vergnügen zunutze macht. „Sie hat richtig viele Handys, alle mit einer anderen Nummer, und die Nummer gibt sie jeweils nur einem Mann,“ munklen sie. „Kannst du dir das vorstellen? So schafft sie es, mehrere Beziehungen gleichzeitig zu führen.“

Woher die unangenehmen Männer die Nummern bekommen? Manche wählen einfach drauflos, und wenn eine Frau dran geht, merken sie sich die Nummer. Allerdings muss man auch bei allen möglichen Veranstaltungen seine Telefonnummer in Listen am Eingang eintragen, so dass sie  zugänglich ist. Ich gebe hier grundsätzlich eine falsche Nummer an. Zum Glück bin ich bislang verschont geblieben. Um die Anrufer loszuwerden, lassen manche männliche Freunde abnehmen, am besten welche, die sich als Sicherheitsleute ausgeben und drohen, den Anruf zu verfolgen. „Da hat mich schon mal einer nachher angefleht, ich solle die Verfolgung einstellen.“Eine deutsch-afghanische Freundin verrät uns, wie sie die Telefon-Unholde abwimmelt: „Ich sage auf Dari: ‚Mein lieber Neffe, deine Tante ist zu alt für solche Streiche. Ruf mich nicht mehr an.'“