Archive for the ‘Unterhaltung’ Category

Die Zukunft, näher als man denkt

8. Oktober 2011

Afghanische Frauen und Männer machen vieles getrennt, weil Etikette, Tradition oder gesellschaftliche Gepflogenheiten es so vorsehen. Unter den Internationalen in Kabul sind die „Mädelsabende“ eher eine Wunschentscheidung. Was im Freundinnenkreis sehr nett ist, kann in größerem Rahmen allerdings in einem klischeefreudigen Spektakel enden. Einmal geriet in in eine Art kombinierter Verkaufs-, Kosmetik- und Esotherikveranstaltung, getarnt als „Ladies‘ Brunch“. Neben den Konserven und Konfitüren afghanischer Kleinproduzentinnen, bestickten Textilien und Schmuck gab es hier auch die weniger schönen Produkte eines fehlgeleiteten westlichen Projekts: Plastiksüßigkeitenständer mit Perlendekor und dazu passenden Kerzenleuchtern, von meiner Freundin aus Mazar treffend auf den Punkt gebracht, mit „was man auch aus Mitleid nicht kaufen würde“.

Das Amüsanteste dieser Veranstaltung war eine Wahrsagerin, die mir aus Karten und Kaffeesatz lesen wollte. Das erforderte zunächst, dass ich mehrere Tassen Nescafé trank, da das Restaurantpersonal nicht nachvollziehen konnte, warum man einen Kaffee mit Satz darin haben wollen könnte.

Nachdem diese Hürde übernommen war, erklärte mir die vom Räucherstäbchengeruch umflorte Dame aus Albanien meine Zukunft. „Auch wenn es im Moment nicht einfach ist … du bist noch jung und auch dir wird das Glück einmal hold sein.“ Ich fand mich in diesem Moment schon ziemlich glücklich. „Ich sehe es im Kaffee, aber auch in den Karten,“ fuhr die Dame fort und warf sich theatralisch das schwarze Seidentuch über die Schulter. Dann prophezeihte sie mir die Begegnung mit dem Mann meines Lebens. Ich sagte, ich wisse sogar genau, wann das sein werde, denn schließlich sei er mit mir nach Afghanistan gekommen und warte vor der Tür des Lokals. Das fand sie weniger lustig.

Tango im Staubsturm

29. August 2011

Kaum eine Aktion ist absurder als unser Ausflug in den Supermarkt zwecks Erwerb einer große Flasche Babypuder, die wir auf der Dachterrasse einer hiesigen Botschaft zu verstreuen gedenken. Ausgerechnet Asadullah in seinem schwarzen Hemd übernimmt diese Aufgabe und sieht ziemlich staubig aus, nachdem eine comicreife Windbö über die Terrasse hinweggerauscht ist. „Ich frage mich, was unsere Sicherheitsleute wohl denken werden, wenn sie unidentifiziertes weißes Pulver hier finden,“ meint der einladende Diplomat, „besser, wir wischen später“. Der Erfolg des Puderns ist jedoch unstrittig, denn der sonst staubig-stumpfe Marmor hat nun eine viel glattere Oberfläche und eignet sich hervorragend für einen Tango-Abend im Kabuler Sonnenuntergang. In der Vorstellung ist das romantischer als in der Realität dieses Sommers, da häufig in der Dämmerung ein Staubsturm über die Stadt fegt. Schön ist es dennoch zu sehen, wie sich über die früher nachts dunkle Stadt ein Lichtermeer  zu tüpfeln beginnt.

Die Freizeitmöglichkeiten Kabuls sind beschränkt, so dass diejenigen, die selbst etwas anbieten, weithin beliebt sind und ihre Veranstaltungen großen Zulauf haben. Wahrscheinlich ist Kabul die einzige Stadt weltweit, in der bei einem Tanzkurs ein Männerüberhang besteh. Außerdem ist es eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Ausländer und Afghanen gemeinsam einem Hobby nachgehen. Allerdings ist das unter den Afghanen Männern vorbehalten. Afghanische Frauen, die einer Tätigkeit bei einer internationalen Organisation nachgehen, werden oft von der Gesellschaft schräg angeschaut. Wenn sie bei gemischten Tanzrunden zu sehen wären, würde das ihren Ruf wahrscheinlich endgültig ruinieren.

Allerdings gibt es auch nur wenige Orte, an denen das in Kabul möglich ist. Obwohl wir zu Hause zum Beispiel die perfekte Diele zum Tangotanzen hätten, können Diplomaten oder Polizeiausbilder nicht zu uns kommen, da unsere Wächter unbewaffnet sind. Auf der Suche nach einer Ausweichmöglichkeit muss man daher gelegentlich verschrobenen Wünschen nachgeben. Der Botschafter einer anderen Mission, ein Adliger, wie er im Buche steht, heißt uns unter der Auflage willkommen, dass er mittanzen dürfe. Tango hatte er noch nie getanzt, aber als leidenschaftlicher Swing-Tänzer werde er schon improvisieren. An diesen Abenden blicke ich neidisch auf die Kolleginnen von der ISAF, deren Zehen in Militärstiefeln statt Tangoschuhen stecken.

Die andere Geschichte

24. Juli 2011

Besucher sind immer eine Bereicherung für unser Büro. Sie bringen Geschichten aus anderen Landesteilen oder von außen mit, und es ist interessant, mit welchen Vorstellungen und Fragen sie kommen. Ein Freund erzählte vom Besuch einiger Abgeordneter in Feyzabad. Was das denn dort drüben für Ruinen seien, fragte man ihn. „Ich wusste gar nicht, was sie meinen und habe noch mal nachgefragt, welche Ruinen denn. Sie haben beharrlich weiter auf das Nachbardorf gezeigt und wollten nicht glauben, dass es bewohnt ist.“

In heiterer Erinnerung des gesamten Büros lebt die deutsche Journalistin fort, die mich auf der Suche nach der Sensation im Verschwörerton fragte, wie es denn so sei, wenn ich am Wochenende „in den Dörfern abhängen“ und mit vorbeikommenden Taliban plauschen würde. Wenig später sprach sie meinen damaligen Chef auf die Veränderungen im Expat-Leben in Kabul an. „Wissen sie, da gab es früher immer diese ‚Wet and Wild‘-Parties,“ erfand er. Sie bekam große Augen und wollte Details wissen, doch – „der Gentleman genießt und schweigt.“ Leider haben wir die entsprechende Geschichte nie in einer Zeitung wiedergefunden.

Auch bei Auslandsafghanen ist das Bild durchwachsen – einige setzen sich intensiv mit den Veränderungen im Lande auseinander. Andere verharren in dem, was sie aus der Zeit vor ihrer Emigration kennen, und gerade unter ihnen versuchen viele uns zu belehren, wie die Afghanen sind und was die Afghanen wollen, selbst wenn seit ihrem letzten Besuch eine lange Zeit vergangen ist. Was mir  als Ausländerin gegenüber noch angehen mag, stößt bei meinem afghanischen Team verständlicherweise auf Befremden.

„Unsere letzte Besucherin hat mir vorgeschwärmt, dass die Menschen in den letzten Jahrzehnten so viel besser geworden sind,“ erzählt die Grazie über eine Frau, die das erste Mal seit zwanzig Jahren für ein paar Tage in Afghanistan ist. „Damals hätten sie auf dem Basar viele Männer angesprochen und versucht sie anzufassen. Das passiere jetzt überhaupt nicht mehr.“ Sie schaut kurz nachdenklich: „Wie kann sie daraus schließen, dass die Menschen besser geworden sind? Ich gehe schon seit Jahren nicht mehr in dem Viertel einkaufen wenn es sich vermeiden lässt, eben weil man dort immer so schlimm belästigt wird! Ob sie sich Gedanken darüber gemacht hat, dass es daran liegen mag, dass sie vor zwanzig Jahren noch eine andere Wirkung auf Männer hatte?“

Schietrichter

11. Oktober 2010

„Wohin genau soll ich Sie bringen?“ fragt der Fahrer unseren Gast. „Tankedehle Shahr-e Naw,“ erwiedert der Gefragte. Ich amüsiere mich: „Tankedehle? Ist das ernsthaft die Bezeichnung für Tankstelle?“ Unser Gast nickt: „Da gibt es einige Beispiele für Wörter, die man gewissermaßen aus dem Deutschen übernommen hat. Beim Boxen zum Beispiel: Die jungen Männer sagen ‚Samsack‘, wenn sie den Sandsack meinen. Oder beim Fußball, da gibt es den ‚Schietrichter‘.“

Musik regt Phantasie an

6. Oktober 2010

Vor einigen Monaten hörten wir aus Jalalabad von einer Serie von Anschlägen auf CD-Läden. Die musikfeindlichen Taliban steckten dahinter, hieß es. Seit wir unser Büro neben einem Musikladen haben, der uns von früh bis spät so laut beschallt, dass wir nur bei geschlossenen Fenstern telefonieren können, bin ich mir nicht mehr so sicher. „Hafizullah ist schon rübergegangen und hat ihn gebeten, das leiser zu machen,“ sagt die Grazie, „aber stattdessen ist es noch lauter geworden!“ Mr. M. meint, das sei nur vorübergehend: „Das liegt in der afghanischen Kultur. Wenn uns jemand auffordert, etwas zu unterlassen, machen wir es extra, um zu zeigen, dass wir uns davon nicht beeindrucken lassen. Ein viel besserer NachbarNach ein paar Tagen, wenn er ausreichend bewiesen hat, dass er nicht auf uns hört, wird es wieder normal werden.“

Mr. A. schlägt vor, wir sollten ihn bedrohen. Wie das bei Mr. A. aussieht, habe ich neulich beobachten können, als ich ihm mein Telefon reichte, an dem ein Belästiger war. „Mr. A!“ hatte ich mit der Hand über dem Mikrofon gezischt, „lies ihm die Leviten, damit er mich nie wieder stört!“ Das anschließende Gespräch zwischen ihnen klang wie ein Austausch von Höflichkeiten über das Wetter. „Aber du solltest ihm doch heimleuchten!“ sagte ich vorwurfsvoll, als sie aufgelegt hatten. Mr. A. zuckte die Achseln und meinte: „Ich kann nicht unfreundlich werden. Wenn du jemanden brauchst der schimpft, gibt das Telefon Mr. E.“ Ich muss zugeben, mein Telefonverfolger hat sich nie wieder gemeldet. Trotzdem würde ich gerne wissen, was Mr. A. dem Musikverkäufer sagen würde. „Nicht ich,“ meint Mr. A., er würde drei der bärbeißigen Bärtigen von einer Partnerorganisation vorbeischicken, am besten bewaffnet.

Mr. M. meint, wir sollten erstmal abwarten, und dann könnte er ja noch mal einen Vorstoß unternehmen: „Ich kaufe ganz viel bei ihm. Dann tut er mir als gutem Kunden vielleicht einen Gefallen.“ Die Grazie ist skeptisch und zitiert aus ihrer aller Lieblingsfernsehserie „Mind your Language“: „We should say: ‚Stop the music orrr I’ll slaughterrr yourrr neck frrrom herrre to therrre!'“

Die Logik der Wunder

27. Mai 2010

Im New-Yorker-Kalender, den ich Mr. A.  fürs Büro mitgebracht habe, ist ein Cartoon über Jesus und Moses. Moses teilt das Meer, und Jesus, der gerade über das Wasser wandelt, stürzt in die sich auftuende Spalte. Mr. A. findet das überaus amüsant. Auch später am Tag sehe ich, wie er noch auf das Bild schaut. „Weißt du, was mich stört?“ fragt er. Ich verneine. „Moses hat doch einen Fluss geteilt, oder?“ Ich sage, meines Wissens handele es sich um das Rote Meer oder den See Genezareth, aber sicher sei ich mir nicht. „Ah. Na gut. Ich meine nur, wenn es der Nil wäre … dann könnte doch auf der Seite, die vom Zufluss abgeschnitten ist, kein Wasser mehr fließen.“ Dem kann ich nichts entgegensetzen. „Auch Wunder,“ konstatiert mein Kollege, „sollten logisch sein.“

Die Frauenrechte hinter der Sprachbarriere

5. Mai 2010

Sängerphantasie?

Bei Musik und Filmen scheiden sich die Geister im Büro. Zumindest bei einem Sänger aber, Fairuz Kunduzi, ist man sich einig, diese Texte, das sei völlig unmöglich. „Weißt du, die meisten dieser Sänger sind nicht gebildet. Sie singen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.“ Im Radio dürfen die schlimmsten Lieder zwar nicht laufen, aber man kann überall die Aufnahmen kaufen. Nach einigem Erröten und betretenen Blicken fangen die Grazien an zu kichern.

Von allen Musikern Afghanistans sei ausgerechnet dieser Mann zu einem Auftritt bei einem Fest an der britischen Botschaft eingeladen worden, berichten sie. Dort habe Kunduzi ein Lied auf die Frauen angestimmt. „‚Mit 14 ist ein Mädchen wie eine Blume, mit 25 strahlend … Mit 30 verblasst die Frau, dann fängt sie langsam an zu stinken und mit 40 kann man sie nur noch wegwerfen,‘ hat er gesungen!“ empört sich eine meiner Mitarbeiterinnen. Das ausländische Publikum hätte begeistert applaudiert. „Unser afghanischer Freund war dabei und hat gesagt, ‚Klatscht nicht! Ihr seid doch sonst immer so für Frauenrechte!‘ Aber sie hatten natürlich kein Wort verstanden.“

Wie man sich entfreundet

8. April 2010

Eine Mail in meinem Posteingang: Ich sei auf einem Facebook-Foto markiert worden, das Foto heißt „Picknick am Salang“ und kommt vom 22jährigen Neffen der einen Grazie. Kurz darauf folgt ebenfalls per Mail ein Kommentar von ihm: „I love you soooo!“ und gleich darauf geht es weiter mit „I’m crazy for you!“ Jetzt begreife ich, der Gute ist nicht geistig verwirrt sondern hat sich einen Virus eingefangen. Trotzdem kann ich der Verlockung nicht widerstehen und spreche meine Kollegin an: „Sag mal, weißt du eigentlich, was dein Neffe mir für Botschaften über Facebook schickt?“ Mit ernster Miene zitiere ich die Botschaften und füge hinzu, erstens sei er ja sehr jung, zweitens würde er doch auch C kennen.

Sofort greift sie zum Hörer. Im Rausgehen höre ich den strengen Tantenton in ihrer Stimme, als sie sich erkundigt, was gerade vor sich geht. Gleich darauf klingelt mein Telefon: „Unfriend him! Unfriend him! It’s a virus!“ Sie selbst habe auch schon 600 solcher Mitteilungen von ihm bekommen! Beim Mittagessen erzähle ich zur allgemeinen Erheiterung davon. Die Grazie sitzt kopfschüttelnd da. „Das hat ihm irgendjemand geschickt, irgendeine Anwendung, die was mit Fußball zu tun hat. Die hat  dann all seine Fotos mit all seinen Freunden verknüpft und kommentiert. Er musste seine gesamten Bilder löschen. Mein Neffe freundet sich aber auch mit jedem auf Facebook an. Ich habe ihm immer gesagt, mehr als 1000 Freunde, das ist nicht gut.“

Sonderangebote

18. März 2010

In Deutschland kann man sich relativ sicher sein, in jedem Supermarkt einer Kette in etwa die gleichen Waren zu finden. In Kabul gibt es nur zwei Supermärkte die zur selben Kette gehören, und auch wenn sie von außen ähnlich wirken, könnte das Sortiment unterschiedlicher nicht sein.

Im „Finest“ in Shar-e Naw bekommt man Bollywood-Tassen, indische Gewürze und pakistanische Milchspeisen, gute DVDs und pinkfarbene Mikrofasertücher. Während an diesem Supermarkt ein Schild verkündet, dass Waffen unerwünscht seien, stehen vor dem „Finest“ im Diplomatenviertel Leute mit harmlos aussehenden Waffen, die aber einem Bekannten aus dem Sicherheitsbereich zufolge das Neueste und Raffinierteste sind, was auf dem Markt ist. Das wird angesichts des bemerkenswerten Warensortiments vermutlich auch gebraucht – chinesische Mittelchen aller Art, schwarz eingepackte Zeitschriften. Hätte Afghanistan je Nashörner gehabt, würden diese pulverisiert die Regale füllen, keine Frage. Angesichts all dessen, was es schon zu sehen gibt, möchte man gar nicht wissen, was vielleicht noch unter der Ladentheke gehandelt wird.

In Berlin besuchte mich vor einigen Jahren eine arabische Freundin, die unbedingt mal in einen Sexshop gehen wollte. Drinnen blickte sie sich um und fragte ebenso enttäuscht wie entgeistert: „Und dafür habt ihr so zwielichtige Läden? Für lauter Sachen, die man in Damaskus öffentlich auf dem alten Basar kauft?“ Sie wird sich totlachen, wenn sie hört, dass man in Kabul dafür in einen Hochsicherheitssupermarkt geht.

Bach meets Bacon

16. März 2010

In Kabuls kultureller Ödnis gibt es einen Lichtblick: Musiker des Heeresmusikkorps geben schon das zweite Konzert innerhalb einer Woche, und wir sind eingeladen. Das Camp liegt an der Jalalabad Road, an der die Taxifahrer mittlerweile das 2,5-fache des normalen Fahrpreises verlangen, weil auf der Straße so viele Anschläge stattfinden. Weder für unseren Fahrer noch fürs Auto haben wir eine Zugangsberechtigung, so dass wir uns am Tor angekommen zu Fuß auf den Weg hinein machen. Auch wenn wir alle drei keine Hünen sind, bekommen wir Beklemmungen bei den schmalen Gängen, durch die wir laufen.

Der Empfang durch das Sicherheitspersonal ist geradezu landestypisch:  viele Leute, die in unwirtlicher Umgebung zu wenig zu tun haben und ihre Kontrollpflichten sehr genau nehmen – sie aber aber alle unterschiedlich verstehen. Außerdem verstehen wir sie nicht so gut, da sie im wesentlichen Georgisch sprechen. Ich sehe, wie es hinter Madame C’s Stirn arbeitet. Jede Wette, wenn wir sie hier zurückließen würde sie nach dem Konzert perfekt georgisch parlieren, so ein Sprachtalent ist sie. Bevor wir das ausprobieren können, werden wir jedoch reingeholt.

In einem Kirchenraum spielen die Musiker gegen den Kneipenlärm von nebenan und die Generatoren draußen an. Das stört aber keinen, denn es sind wirklich einige großartige Musiker dabei – und einige Stücke, bei denen ich vor Lachen fast vom Stuhl falle. „Hänsel und Gretel“ als Ragtime oder Tango in Kabul, besser könnte es wirklich nicht sein.

Nach dem Konzert erweckt Herr …shinken meine Aufmerksamkeit. „Sagen Sie, wie spricht man Ihren Namen richtig aus ‚…s-hinken‘ oder ‚…schinken‘?“ Er blickt mich durchdringend an: „Sehen Sie da etwa ein ‚C‘?“ Natürlich sei es ‚…s-hinken.‘ Ich zucke mit den Achseln und deute auf den Dari-Schriftzug darunter: „Tut mir leid … nur auf Dari steht da eindeutig „…SCHinken.“ – Entgeistert schaut Herr …s. an sich herunter: „Was??? Mit dieser Würmchenschrift habe ich mich nie befasst! Und nun bin ich vier Monate so rumgelaufen?“

Auch sonst kann ich bei diesem Mann heute wenig richtig machen, was damit anfängt, dass ich die falsche politische Richtung vertrete. Ich deute auf die Stifte, die in seiner Ärmeltasche stecken. „Farblich und von ihrem Material her würden die hervorragend zu uns passen.“ – „Ach, das ist nur was Katholisches!“ Der ‚richtige‘ Stift, ein Metallkugelschreiber der für ein protestantisches Ansinnen wirbt, steckt in seiner Brusttasche.