Schafschützen

Dass die Vereinten Nationen ausgerechnet das Haus gegenüber mieten mussten, fanden wir keinen feinen Zug. Da sie, wie auch die meisten anderen großen Organisationen, nicht lange um Preise verhandeln, sondern zahlen, was verlangt wird, leuchteten auch in den Augen unseres Vermieters die Dollarzeichen auf, und er warf uns raus.

Mittlerweile hat die UN fast all ihre Häuser aufgegeben, immerhin zwischen 60 und 90 in Kabul, die Mietpreise sind gesunken. Der Vermieter hat sein ganzes Programm abgespult, von maulen über drohen, am Verhandlungstisch aufstehen und nicht zu Terminen erscheinen. Nach einem Gespräch, bei dem ein alter Freund unsererseits augenscheinlich den richtigen Ton angeschlagen hat,  hat er schließlich eingesehen, dass es keine gute Idee ist, sich mit uns anzulegen. Zumindest eine seiner beiden Gehirnzellen hat es. Die andere sucht weiterhin krampfhaft nach Wegen, mehr Geld an uns zu verdienen.

Auch die anderen Organisationen überlegen, wieviel internationales Personal sie brauchen und wo sie es am besten unterbringen. Unsere sehr netten Nachbarn ziehen um, und mittlerweile haben drei der Häuser auf unserer Straße ihre Wächterhäuschen mit Sandsäcken umgeben. Neben dem einen stehen außerdem permanent Polizei-Pick-Ups. Ich reibe mir die Augen, als ich auf dem einen eine wippende Horde Polizisten sehe. Sie frönen dem afghanischen Herbst-Hobby, Blätter von den Bäumen zu schütteln – für die Herde Fettschwanzschafe, die ein Schäfer gerade um ihr Auto versammelt hat.

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